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veröffentlicht von Stephanie 08/2025
Die Ursprungsfamilie besteht zu 50% aus der Mutter. Und weil sich so ziemlich alles aus der Energie der Eltern ableitet im Familienstellen - wenn man mal von dem Einfluss des kollektiven Unbewussten absieht - dann... ja, die Mutter ist zu 50% an "allem" Schuld. Oder: Die weibliche Energie macht 50% der Energien in der Welt aus.
Das hat meiner Meinung nach noch keiner so klar gesagt im Famiilienstellen. Aber die Chinesen wussten es schon "immer". Zumindest seit dem Bestehen der TCM (traditionellen chinesischen Medizin).
Denn die Monade besteht aus "weiblich" und "männlich", und zwar zu gleichen Teilen. Alle Mathematiker freuen sich, das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken.
Ich gehöre zu den Menschen, die im Zweifel, wenn sie also mal einen "Rückfall" haben in ihrem Bewusstsein, die Mutter für so fast 100% aller Probleme verantwortlich sieht.
Denn in mir besteht immer noch diese Verletztheit. Und dazu noch: Loyalität zu meiner Wunde. Uns mein inneres Kind möchte nochmal beeltert werden, das hört nie auf und ist dann wieder "fällig".
In meinen Anfängen als Auszubildende im Familienstellen wurde - weil meine Ausbildung von einem Verband für Familienaufsteller war und deshalb so ein "Manual" hatte - immer die Ursprungsfamilie aufgestellt. Das bedeutet, man sucht sich einen Stellvertreter für den Vater und einen Stellvertreter für die Mutter. Und dann fühlt man sich hinein: Die beiden Stellvertreter fühlen und machen Aussagen aus einer Art Inspiration heraus. Hellinger sagt, sie sind in Energiefelder eingetaucht, nämlich in mein Familiensystem - das nichts als ein Energiefeld ist aus seelischer Sicht.
Die Stellvertreter möchten irgendwohin gucken oder gerade nicht. Die Stellvertreter fühlen kalt oder warm, Liebe oder Desinteresse, manchmal auch Abneigung und Verachtung. Oder Bewunderung. Erstaunlich viele Gefühle, die ich persönlich gerade bei meinen Eltern überraschend finde: Die Gefühle wie zum Beispiel "Liebe" und auch "Bewunderung", klingen bei meinen Aufstellungen irgendwie zu groß für die Realität.
Denn: Meine Mutter (durch den Stellvertreter) sagte, sie würde mich lieben. Und beide Eltern konnten es nicht unterlassen, mir im "Feld" zu versichern, sie seinen sehr stolz auf mich. Stolz?
Fühlen ist das, was die Stellvertreter - und auch den Klienten - im "Feld" in Bewegung versetzt.
Natürlich fühlen alle ständig im "Feld", auch wenn sie einen guten Ort gefunden haben und stehengeblieben sind. Aber meistens setzen sich die Stellvertreter in Bewegung im Feld, und wenn der Leiter sie fragt, wie es ihnen geht, dann natürlich erst, wenn Ruhe eingetreten ist. Das Feld muss still stehen, damit wir Worte benutzen können.
Ziel ist beim Familienstellen, dass Frieden eintritt. Frieden ist fühlbar. Das Gefühl von Frieden ist enthalten in dem Gefühl von Wärme, Liebe, Zuneigung und auch ein bisschen in dem Gefühl von Respekt und Anerkennung. Frieden ist hingegen nicht da, wenn den Stellvertretern kalt ist. Wenn sie zornig sind. Und der Friede ist auch dann noch nicht da, wenn ein Stellvertreter ständig aus seiner Rolle im Familiensystem ausbricht. Wenn er also nicht die Mutterrolle bekleidet, sondern selbst ein Kind sein möchte.
Meine Mutter liebt mich, aber sie hat mir - das ergibt die Familienaufstellung - nicht das geben können, was ich gebraucht habe. Was war das? Mutterliebe.
Als allererstes lernt man im Familienstellen, dass es um Verstrickungen geht.
Verstrickungen werden dennoch manchmal etwas unterschiedlich erklärt. Aber im Prinzip bedeutet Verstrickung, dass das Verhältnis zwischen dem Familienmitglied und dem Klienten nicht in Ordnung ist.
Bezogen auf die Eltern hat mein sehr geschätzter Lehrer Peter Orban in seinem Buch ("Kursbuch Aufstellungsarbeit") das so dargestellt: Die Eltern sind wie zwei Flugzeuge, die ein kleines Flugzeug - das Kind (also: den Klienten) mit Energie versorgen sollen. Das Ganze geschieht allerdings unterwegs und nicht am Flughafen. Also fliegen die Eltern mit Kerosin oder welcher Energie auch immer so nah am Flugzeug, welches die Energie benötigt, wie möglich. Dann rüsseln beide mit Schläuchen hin zu dem kleinen Flugzeug und docken an, und dann endlich fließt es.
Peter hatte die Eigenart, Beispiele wie aus einem Kinderbuch zu verwenden. Zum Glück konnte er selbst über seine kindliche Seite lachen und inhaltlich waren seine Erklärungen genauso klug, wenn man es mal ganz unirritiert betrachtet, wie wenn ein Professor gesprochen hätte.
Die Eltern versorgen also ihr Kind (oder: ihre Kinder) mit Energie. Und wenn das nicht klappt, besteht eine Verstrickung.
Dass ich selbst dazu die Idee habe, dass in den Schläuchen der großen Flugzeuge bestimmt Knoten drin sind, ist jetzt vermutlich wenig hilfreich. Verstrickung hat mit "Stricken" nichts zu tun. Verstrickung ist eine Wortwahl von Bert Hellinger.
Es gibt Aufstellungen, da geht es ausschließlich um Ahnenkraft. Dann fehlt entweder zwischen Eltern und Kind die Energieverbindung (oder funktioniert nur mäßig gut). Oder das Problem ist tradiert und entweder in der mütterlichen Ahnenlinie oder in der väterlichen Ahnenlinie gab es schon Verstrickungen. Dann ist die Ursprungsfamilie nicht fähig gewesen, das Kind - den Klienten - mit der Energie zu versorgen, die ein Mensch im Leben braucht. Dauerhaft braucht.
Knoten macht man meistens von zwei Seiten. Auch Verstrickungen können ihre Ursache nicht nur bei den Eltern haben, also bei denen, "die vorausgehen". Sondern die Kinder können auch den Energiefluss blockieren.
Kinder können nämlich bei schwachen Eltern die Kinderrolle verlassen. Das nennt die Psychologie "Dissoziation". Auf familienstellerisch heißt das: Kinder spalten Seelenanteile ab und versuchen, weiterhin in der Liebe zu bleiben. Lieber werfen sie ihr So-Sein weg, als dass sie den Eltern nicht mehr gefallen. Deshalb sagte Hellinger, Kinder übernehmen Lasten im Familiensystem aus Liebe. Ich würde sagen: Liebe ist überall das Thema im Famlienstellen.
Im Prinzip ist das eine sehr prägnante Lehrstunde zum Thema "Phänomenologie" gewesen, was meine erste Aufstellung da zeigte: Während ich wirklich gedanklich und gefühlsmäßig und mit tausend Glaubenssätzen meine Mutter verantwortlich sah für Probleme und Nöte in meinem (und ihrem) Leben, sagte das Feld: "Du hast die falsche Rolle eingenommen. Geh an deinen Platz!"
Ich war es also, die die Verstrickung lösen konnte - und musste. Meine Mutter machte eine "gute Figur" im "Feld": Liebevolle Blicke, offene Hände, Zugewandtsein zum Kind - alle müttelichen Attribute der Liebe waren da. Ich konnte es nicht glauben. Was für eine bescheuerte "Arbeit" war das Familienstellen denn?
Aber mein Aufstellungsleiter motivierte mich, indem er sagte, ich könnte es doch einfach mal probieren. Mal hingehen zu ihr im "Feld", mal fühlen, wie es denn ist, wenn ich nicht hinterfrage, wieso meine Mutter hier ihrer Rolle genügte und ich nicht. Ich fand, sie hatte das Kind "markiert" und ich war deshalb gezwungen gewesen, meine eigene Kindheit vorzeitig zu beenden! Ein bisschen habe ich damit meinen Aufstellungsleiter zum Lächeln gebracht.
Selbst wenn ich "Recht" hätte - und in viel später stattgefundenen Aufstellungen hatte ich Recht, haha...! - war es jetzt (!) nicht die Zeit und auch nicht der Ort fürs Rechthaben.
Ich probierte also aus, was man so von seinem Aufstellungsleiter nahegelegt bekommt: Lösungssätze sagen. Fühlen. Erden! Kleine Schritte. Hinbewegung. Umwarmen. Weinen. Atmen. Ankuscheln.
Im "Feld", also in der Aufstellung, sind Eltern die "Richtigen". Es gibt auch manchmal Aufforderungen an den Klienten, das mal als Lösungssatz auszusprechen. "Du bist die Richtige", sagt der Klient dann beispielsweise zur Mutter.
Weitere Lösungssätze für die Mutter können sein: "Von dir kann ichs nehmen." Oder: "Jetzt nehme ich alles von dir."
Das sind bewährte Lösungssätze. Lösungssätze dienen dazu, Veränderungen im Feld herbeizuführen - sie wirken auf die Gefühle ein. Vielleicht kommen die Gefühle von der Seele, man weiß es nicht. Aber die oft etwas seltsam klingenden Lösungssätze, die in den allermeisten Fällen Wahrheiten ausdrücken, die wir im rationalen Zustand nicht erwähnenswert finden würden, sind wie Radiergummis. Sie radieren wirklich prima Glaubenssätze und Opferrollen weg.
Und manche Lösungssätze klingen für den Klienten so ungewohnt! Sie kollidieren sogar manchmal mit der Ratio. Viele Klienten wachen schon fast auf aus der Trance, die sie bei der unterbrochenen Hinbewegung zur Mutter begleitet, wenn sie sagen sollen: "Du bist die Richtige, Mama!"
Die Mutter, die durch den Stellvertreter im "Feld" repräsentiert wird, ist aber nicht wirklich die reale Mutter. Sie erinnert zwar - wie ich finde, in genialer und absolut verblüffender Weise - an die Mutter (oder sonstige Person, die "gestellt" wird), aber sie ist eher nur ein Teil der Mutter. Und zwar der Teil, wie die Mutter seelisch ist.
Was das bedeutet, ist schwer zu erklären. Auf jeden Fall kann man erstmal als Hinweis akzeptieren, dass die Mutter im "Feld" es ernst meint. Keiner verstellt sich, auch der Stellvertreter schauspielert nicht, sondern fühlt und versucht ehrlich zu sein. Das ist - seelisch gesehen - real: Die Mutter ist die Richtige.
Hellinger behauptete, die Mutter ist deshalb die Richtige, weil sie das "Geschenk des Lebens" an den Klienten gemacht hat.
Peter sagte, die Mutter ist die Richtige, weil mirakulöserweise sie das "Flugzeug" ist, dass die Energie in genau der richtigen Mischung mit unendlichen Kapazitäten bei sich trägt und ständig abgeben möchte an ihr Kind. Das ist nunmal so im Familienstellen: Seelisch gesehen geben die Eltern und die Kinder nehmen. Noch viel mirakulöser ist, dass diese Energie unendlich ist. Und auch noch wohltuend!
Wer jetzt verstanden hat, dass Familienstellen etwas zu tun hat mit der kindlichen Welt, hat das Mutterthema von der Klientenseite vollkommen richtig verstanden.
Anders liegt das Thema, wenn der Klient selbst die Mutter ist. Aber das lässt sich ebenfalls lösen.